Von der Einsamkeit


Einsamkeit ist grausam! Einsamkeit ist nicht das Gleiche wie alleine sein. Einsamkeit entsteht durch die Verweigerung der Konversation durch Menschen, deren Geist entweder autistisch egozentrisch oder abgeschlafft ist. Diese Menschen besitzen keine Neugierde, nichts um sie herum interessiert sie, es sei denn, es könnte von Vorteil sein. Sagt man etwas, lautet die Antwort „mag sein“, „wird schon stimmen“, „ist halt Deine Meinung“, „davon verstehe ich nichts“ oder weitere Konversationskiller. Ich werde nie begreifen, dass es möglich ist, die Welt mit allen ihren Wundern für langweilig zu halten. Noch schlimmer aber sind die Verstandesmenschen. Für diese gibt ein Gespräch nur Sinn, sofern es zu einem Ergebnis führt. Alles Weitere ist in deren Spatzenhirn dummes Geschwätz. Demzufolge hätten zum Beispiel Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre ihr Leben mit dummem Geschwätz vergeudet. Oder was sollen die existenziellen Erschütterungen eines Dostojewski? Sind sie doch völlig ungeeignet, einen Kleingeist aus der Reserve zu locken. Also legt er das Buch zur Seite.

Derart beschriebene Wesen menschlicher Natur beschäftigen sich nicht mit dem Tod. Dabei kommt er unwiderruflich und zwar morgen schon, denn bekanntlich sind vor Gott tausend Jahre wie ein Tag. Das Heulen und Zähneknirschen in dem Moment, da die Welt schwindet, ist furchtbar. Doch könnte man im Frieden Abschied nehmen, würde man sich auf diesen Moment vorbereiten, das Leben als den Weg begreifen, der, richtig beschritten, in himmlische Gefilde führt. Ich habe die Gewissheit, dass es diese himmlischen Gefilde gibt. Das ist indes keine Frage des Glaubens. Es ist ein faktisches Wissen, geboren aus den Geheimnissen musikalischer oder literarischer Wunder, von deren Schöpfern aus der göttlichen Harmonie geborgt und als Geschenk, wenn auch unverdient, an die Menschheit weitergegeben. Jedoch, wer mag der „Ewige“ sein, von dem der Fliegende Holländer spricht. Ich bin begierig darauf, ihn bald kennen zu lernen. Da hilf ein wenig Zyankali! „Der Mensch ist nichts weiter als ein Stück Scheiße“ hat Luther angeblich gesagt. In diesem einzigen Punkt hätte er Recht gehabt.
„Vater vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Evangelien)
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Oh ewige, ewige, schöne Jugend:
Sie war grandios und sie wurde zur Tragödin. Dalida. Diese Frau feierte Triumpfe in der New Yorker Carnegie Hall und im Pariser „Olympia“. Im „Palais des Sports“, ebenfalls in Paris, gastierte sie als Revue-Star und wenige Jahre später überreichte man ihr für ihre unzähligen verkauften Platten die seltene diamantene Schallplatte. Selbst im fernen Ägypten, ihrem Geburtsland, waren ihre Konzerte ausverkauft.
Privat führte sie ein wechselvolles Leben mit außergewöhnlichen Höhen und Tiefen, das in seinen dunkelsten Stunden vom Freitod zweier Freunde geprägt war. Sie lebte mehrere Jahre in Indien, später auf Korsika und manche Jahre in Paris auf dem Montmartre. Überall fand sie vertraute Begleiter, die ihr Kraft zu neuen Lieder gab, eines herrlicher als das andere. „Am Tag als der Regen kam“, „Le temps des fleurs“ und vor allem der Chanson „Charme der kleinen Worte“ waren Höhepunkte.
Irgendwann hörte ich ihren größten Hit „Il venait d’avoir 18 ans“ und die Augen gingen mir über. Immer und immer wieder schwenkte ich mit rasendem Herzen den Plattenarm erneut zum Anfang der Platte um der Stimme einer Sängerin zu lauschen, die für mich der Inbegriff aller erotischen und narkotisierenden Fantasien war und zugleich einer Melancholie Ausdruck gab, wie sie nur wenigen empfindsamen Seelen zu eigen ist. Da erzählt eine erfahrene und schöne Frau von der Liebe einer einzigen Nacht zu einem Jungen, der gerade zum Mann reifte Sie durchwühlte sein weiches Haar, schaute in seine unschuldigen Augen und lauschte mit beklommenen Ahnungen seinen unbeholfenen Liebesschwüren.
„Ein Lächeln aus Verlegenheit,
ein Himmel voller Seligkeit,
so ist’s geschehen.“
Dann kam der Morgen, er zog wohlgemut von dannen und sie verstand, dass ihre Schwermut etwas mit dem Tod zu tun hatte.
„Der Sommer ging, als ich ihn sah,
die Nächte schon so nah,
die mir noch blieben.“
„Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist dem Tode schon anheimgegeben“, so lautet der Beginn eines Gedichtes mit dem Titel „Tristan“. Ich las es und dachte an Richard Wagners „Tristan und Isolde“ mit dem wundervollsten Opernschluss aller Zeiten, dem Liebestod Isoldes. Sinnlich morbider Zauber, hier wie dort.
Jahre später sah ich ein Video mit einem Auftritt Dalidas, es war wohl in Paris. Sie stieg in einem prachtvollen weißen Kleid eine Revuetreppe hinab und sang mit charmantem französischem Akzent „Er war gerade achtzehn Jahr“. Welch hohe schlanke Gestalt, welch anmutige Bewegung der Hände, welch wunderbares rotblondes Haar!
Wie gerne hätte ich sie da in den Arm genommen, die traurige Dalida, die im Mai 1987 ihrem Leben ein Ende setzte. . (Myself)
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Weiterhin nicht zu vergessen:
Dann gibt es noch die Menschen, die das Kreuz Christi auf sich genommen haben, in der Überzeugung, es alleine tragen zu müssen. Diese Leute zeichnen sich durch völlige Humorlosigkeit, insbesondere sich selber betreffend, aus. Sie umgeben sich mit der Aura des Tragischen. Bittet man sie um Rat, lächeln sie sanft und schweigen. Höchste Form der Aggression! Da sie in ihrem verzerrten Selbstbild glauben, im Leben zu kurz gekommen zu sein, solidarisieren sie sich mit den Schwachen, den Leistungsverweigerern und den Sozialschmarotzern. Das nennen sie Humanismus. Weisheit, Schönheit und Stärke sind ihnen nicht zugänglich. Deshalb sind sie so gefährlich, denn die Starken möchten sie am Galgen hängen sehen. Bei dieser Spezies Mensch handelt es sich nicht nur, aber überwiegend um Frauen. Vielleich ist das die Ursuppe, aus der der Feminismus moderner Art geboren wurde. Klar, sie stürzen sich mit roten Bäckchen in soziale Aufgaben, helfen hier und dort. Mangels Empathie für das Leid und den Schmerz anderer sind sie hervorragend in der Krankenpflege geeignet, denn was man nicht spürt, kann man auch ertragen. Sie gelten als gut, jedoch, ich fürchte mich vor ihnen!

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um. (Rainer Maria Rilke)

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