Endlich spricht der Leguan


Dass der Leguan sprechen konnte, hatte ich längst beobachtet. Erstmalig sprach er mich unmittelbar an. „Wir Tiere kennen keine Zeit. Beobachten wir den Anfang, begreifen wir bereits das Ende. Wir kennen auch keinen Raum. Auf den fernsten Galaxien haben wir Freunde und tauschen uns mit ihnen vom Grund der Ozeane aus. Denn das Meer ist so tief, wie der fernste Stern weit ist. Mit jedem Deinonychus, den ihr tötet, vernichtet ihr auch ein fernes Geschlecht. Und doch seid ihr so erbärmlich, dass ihr diesen Lebewesen nichts anhaben könnt. Sie fallen in traumlosen Schlaf. Ihre Körper lösen sich in nichts auf. Tatsächlich waren sie nie existent. Ihr dagegen modert und stinkt im Grab. Euer böser Geist wütet in dem faulenden Fleisch, das ihr zum Fetisch erhoben habt. Traumlosen Schlaf wird es für euch nicht geben. Ihr seid die einzigen Kreaturen im Universum, die aus dem Paradies vertrieben wurden. Es gibt für euch keine Rückkehr! Schlimmer noch, der Ichthyosauria
steigt aus den Fluten und ein Grausen, das die Visionen eurer größten Denker übersteigt, wird den gesamten Erdball erfassen. Es hat schon begonnen, doch was ihr beobachtet ist nur der Anfang eines großartigen Geschehens. Ihr habt euch bequem eingerichtet und geglaubt, das sei von Dauer. Jetzt schlägt die Natur zurück und es ist mehr als das Walten der Natur, der Schöpfer selber greift ein. Über die Jahrtausende hat er geschwiegen und zugesehen, wie ihr die Schönheit seines Werkes verunstaltet habt. Die Meere sind verseucht, die herrlichsten Blumen verschwunden und der Regenwald, der uns Leguanen Schutz bot, wurde abgeholzt, damit ihr genug zu fressen habt. Die verrußte Atmosphäre verdeckt die Klarheit des Firmaments. Das Leuchten der Sterne bleibt euch daher verborgen, aber ihr vermisst es in eurer Eitelkeit nicht. Wenn der Himmel weint, entwickelt ihr Notfallpläne, statt ihn zu trösten. Die Liebe habt ihr mit enthemmter Lust ausgelöscht. Alles ist erlaubt, aber nichts mehr ist euch heilig. Um euer Gewissen zu beruhigen, streichelt ihr die Schwachen und schlagt die Starken. Damit vernichtet ihr die Kraft, die Gott euch geschenkt hat. Selbst die Sprache lasst ihr verkommen, damit ihr euch auf niedrigstem Niveau wie räudige Hunde bellend verständigen könnt. Es geht noch weiter. Irgendwann wollt ihr nur noch im Dialog der Zahlen eins und zwei kommunizieren. Tief unter der Erde basteln gefühllose Hirne an entsprechenden Machinen. Aber in eurer Dummheit merkt ihr das nicht. Sofern ihr einmal auf etwas verzichtet, dann nur deshalb, weil das so moralisch ist. Und mit der Moral geht ihr einkaufen. Was wir Tiere einzig von euch gelernt haben, ist das Kotzen. Wir kotzen mittlerweile besser als ihr.“

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