Monatsarchiv: Dezember 2014

2014 im Rückblick


Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 770 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 13 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Endlich spricht der Leguan


Dass der Leguan sprechen konnte, hatte ich längst beobachtet. Erstmalig sprach er mich unmittelbar an. „Wir Tiere kennen keine Zeit. Beobachten wir den Anfang, begreifen wir bereits das Ende. Wir kennen auch keinen Raum. Auf den fernsten Galaxien haben wir Freunde und tauschen uns mit ihnen vom Grund der Ozeane aus. Denn das Meer ist so tief, wie der fernste Stern weit ist. Mit jedem Deinonychus, den ihr tötet, vernichtet ihr auch ein fernes Geschlecht. Und doch seid ihr so erbärmlich, dass ihr diesen Lebewesen nichts anhaben könnt. Sie fallen in traumlosen Schlaf. Ihre Körper lösen sich in nichts auf. Tatsächlich waren sie nie existent. Ihr dagegen modert und stinkt im Grab. Euer böser Geist wütet in dem faulenden Fleisch, das ihr zum Fetisch erhoben habt. Traumlosen Schlaf wird es für euch nicht geben. Ihr seid die einzigen Kreaturen im Universum, die aus dem Paradies vertrieben wurden. Es gibt für euch keine Rückkehr! Schlimmer noch, der Ichthyosauria
steigt aus den Fluten und ein Grausen, das die Visionen eurer größten Denker übersteigt, wird den gesamten Erdball erfassen. Es hat schon begonnen, doch was ihr beobachtet ist nur der Anfang eines großartigen Geschehens. Ihr habt euch bequem eingerichtet und geglaubt, das sei von Dauer. Jetzt schlägt die Natur zurück und es ist mehr als das Walten der Natur, der Schöpfer selber greift ein. Über die Jahrtausende hat er geschwiegen und zugesehen, wie ihr die Schönheit seines Werkes verunstaltet habt. Die Meere sind verseucht, die herrlichsten Blumen verschwunden und der Regenwald, der uns Leguanen Schutz bot, wurde abgeholzt, damit ihr genug zu fressen habt. Die verrußte Atmosphäre verdeckt die Klarheit des Firmaments. Das Leuchten der Sterne bleibt euch daher verborgen, aber ihr vermisst es in eurer Eitelkeit nicht. Wenn der Himmel weint, entwickelt ihr Notfallpläne, statt ihn zu trösten. Die Liebe habt ihr mit enthemmter Lust ausgelöscht. Alles ist erlaubt, aber nichts mehr ist euch heilig. Um euer Gewissen zu beruhigen, streichelt ihr die Schwachen und schlagt die Starken. Damit vernichtet ihr die Kraft, die Gott euch geschenkt hat. Selbst die Sprache lasst ihr verkommen, damit ihr euch auf niedrigstem Niveau wie räudige Hunde bellend verständigen könnt. Es geht noch weiter. Irgendwann wollt ihr nur noch im Dialog der Zahlen eins und zwei kommunizieren. Tief unter der Erde basteln gefühllose Hirne an entsprechenden Machinen. Aber in eurer Dummheit merkt ihr das nicht. Sofern ihr einmal auf etwas verzichtet, dann nur deshalb, weil das so moralisch ist. Und mit der Moral geht ihr einkaufen. Was wir Tiere einzig von euch gelernt haben, ist das Kotzen. Wir kotzen mittlerweile besser als ihr.“

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Der Zoobesuch


Noch etwas hatte mich mein Vater gelehrt, nämlich den Respekt vor allem, was kreucht und fleucht. An schönen Sonntagen fuhren wir zum Kölner Zoo, der kurz nach dem Ende des Krieges wieder eröffnet wurde. Eine solche Reise musste strategisch vorbereitet werden. Die Eisenbahn bediente die Strecke Kevelaer bis Krefeld nur zweimal am Tag. Das dauerte gut eine Stunde. Die Wagen besaßen zum Teil keine Fenster und die Sitze waren modrig, manchmal von Ziegen, Hunden oder Katzen belegt. Es roch nach Schweiß. Der Vater gab auf mein Zappeln Acht und beruhigte meine Ungeduld. „Die Tiere sind erschöpft“ sagte er und schenkte mir Schokolade, die er aus Zeitungspapier wickelte. Dabei tat er äußerst geheimnisvoll, obwohl die Prozedur immer dieselbe war. Den Ziegen gab er trockenes Brot und streichelte ihre warmen Zungen, die seine gütigen Hände dankbar leckten. In Krefeld hatten wir genügend Zeit, bis der Schnellzug nach Köln eintraf. Ich bekam ein Eis mit Erdbeer- und Vanillekugeln. Der Eismann besaß nur ein Bein. „Es passierte am Donez“ erzählte er und ich dankte artig für die Gratiskugel Karamell, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wer oder was der Donez sein sollte. In Köln gingen wir als erstes zur Marienkapelle St. Kolumba in der Nähe des Domes. Der Vater zündete eine Kerze an, betrachte das Foto meiner Mutter, hielt es an seine Lippen und vergoss ein paar Tränen.

Mit der Tram zuckelten wir zum zoologischen Garten. „Bitte lass uns zu dem grünen Leguan gehen“ bettelte ich. Also standen wir vor dem riesengroßen Terrarium, in dem er hauste, und warteten, bis er sich blicken ließ. Plötzlich zischte seine glatte Zunge aus dem Gestrüpp. Die Libelle hatte keine Chance aber das war mir gleich. Mit Vergnügen beobachtete ich, wie der Leguan sie verspeiste. „Ist er ein Marsmensch?“ fragte ich. „Ich bin mir nicht sicher“ antwortet der Vater, während die goldenen Augen der Echse rollten. „Gibt es noch andere Tiere mit goldenen Augen?“ startete ich einen zweiten Versuch. Der Vater schaute mich beunruhigt an, gab mir die Hand und wir verließen geschwind das Aquarium.

Gleich gegenüber turnten Mantelpaviane auf dem Affenfelsen, den ein Wassergraben umgab. Die Weibchen hielten ihre Jungen auf dem Schoß und kraulten deren Köpfchen. „Entzückend“ tönte es von links, „niedlich“ von rechts. Rasch zogen wir weiter. Scheue Erdmännchen ließen sich blicken, ein Elefant schiss gewaltige Klumpen, das Nilpferd gähnte, Flamingos putzten ihr Gefieder, Giraffen verrenkten sich die Hälse, ein Löwe bestieg sein Tigerfräulein, Eisbären fraßen Sardinen, Kamele kauten Bonbons, Gibbons meckerten, Schimpansen spielten Ball, ein Erdferkel biss sich in den Schwanz, Pfaue feierten Hochzeit und über dem ganzen Spektakel zog ein Aasgeier seine Kreise.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof kehrten wir, sofern noch Zeit blieb, im Brauhaus Früh ein. Vater zischte vier oder fünf Kölsch und ich bekam Limonade, selbstverständlich ebenfalls in einem Kölschglas. „Junger Mann“ lachte der Köbes, „übe fleißig, damit du die Kunst erlernst.“ Ich fragte ihn, wie er das meine, doch er lachte lauter und reichte mit ein Stück Blutwurst mit Senf. „Ist eine gute Grundlage“ sagte er und tätschelte mir die Wangen. An diesem Tag zog es Vater vor, schleunigst zu zahlen. Ich amüsierte mich dagegen und konnte den nächsten Besuch im Früh mit seinen Knollennasen unter vergilbten Stadtpanoramen kaum erwarten.

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