Monatsarchiv: Mai 2013

„Mein Herz brennt“ (Rammstein)


Nun liebe kinder gebt fein acht
Ich bin die stimme aus dem kissen
Ich hab euch etwas mitgebracht
Hab es aus heiner brust gerissen
Mit diesem herz hab ich die macht
Die augenlider zu erpressen
Ich singe bis der tag erwacht
Ein heller schein am firmament
Mein herz brennt

Sie kommen zu euch in der nacht
Dämonen geister schwarze feen
Sie kriechen aus dem kellerschacht
Und werden unter euer bettzeug sehen

Nun liebe kinder gebt fein acht
Ich bin die stimme aus dem kissen
Ich hab euch etwas mitgebracht
Ein heller schein am firmament
Mein herz brennt

Sie kommen zu euch in der nacht
Und stehlen eure kleinen heissen tränen
Sie warten bis der mond erwacht
Und drücken sie in meine kalten venen

Nun liebe kinder gebt fein acht
Ich bin die stimme aus dem kissen
Ich singe bis der tag erwacht
Ein heller schein am firmament
Mein herz brennt

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„Er war gerade 18 Jahr“


 

Dalida

 

Sie war grandios und sie wurde zur Tragödin. Diese Frau feierte Triumpfe in der New Yorker Carnegie Hall und im Pariser „Olympia“. Im  „Palais des Sports“, ebenfalls in Paris, gastierte sie als Revue-Star und wenige Jahre später überreichte man ihr für ihre unzähligen verkauften Platten die seltene diamantene Schallplatte. Selbst im fernen Ägypten, ihrem Geburtsland, waren ihre Konzerte ausverkauft.

 

Privat führte sie ein wechselvolles Leben mit außergewöhnlichen Höhen und Tiefen, das in seinen dunkelsten Stunden vom Freitod zweier Freunde geprägt war. Sie lebte mehrere Jahre in Indien, später auf Korsika und manche Jahre  in Paris auf dem Montmartre. Überall fand sie vertraute Begleiter, die ihr Kraft zu neuen Lieder gab, eines herrlicher als das andere. „Am Tag als der Regen kam“, „Le temps des fleurs“ und vor allem der Chanson „Charme der kleinen Worte“ waren Höhepunkte.

 

Irgendwann hörte ich ihren größten Hit „Il venait d’avoir 18 ans“ und die Augen gingen mir über. Immer und immer wieder schwenkte ich mit rasendem Herzen den Plattenarm erneut zum Anfang der Platte um der Stimme einer Sängerin zu lauschen, die für mich der Inbegriff aller erotischen und narkotisierenden Fantasien war und zugleich einer Melancholie Ausdruck gab, wie sie nur wenigen empfindsamen Seelen zu eigen ist. Da erzählt eine erfahrene und schöne Frau von der Liebe einer einzigen Nacht zu einem Jungen, der gerade zum Mann reifte. Sie durchwühlte sein weiches Haar, schaute in seine unschuldigen Augen und lauschte mit beklommenen Ahnungen seinen unbeholfenen Liebesschwüren.

 

„Ein Lächeln aus Verlegenheit,
ein Himmel voller Seligkeit,
so ist’s geschehen.“

 

Dann kam der Morgen, er zog wohlgemut von dannen und sie verstand, dass ihre Schwermut etwas mit dem Tod zu tun hatte.

 

„Der Sommer ging, als ich ihn sah,
die Nächte schon so nah,
die mir noch blieben.“

 

 „Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist dem Tode schon anheimgegeben“, so lautet der Beginn eines Gedichtes mit dem Titel „Tristan“. Ich las es und dachte an Richard Wagners „Tristan und Isolde“ mit dem wundervollsten Opernschluss aller Zeiten, dem Liebestod Isoldes. Sinnlich morbider Zauber, hier wie dort.

 

Jahre später sah ich ein Video mit einem Auftritt Dalidas, es war wohl in Paris. Sie stieg in einem prachtvollen weißen Kleid eine Revuetreppe hinab und sang mit charmantem französischem Akzent „Er war gerade achtzehn Jahr“. Welch hohe schlanke Gestalt, welch anmutige Bewegung der Hände, welch wunderbares rotblondes Haar!

 

Wie gerne hätte ich sie da in den Arm genommen, die traurige Dalida, die im Mai 1987 ihrem Leben ein Ende setzte.

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Wie eine Mücke zum Elefanten mutiert


Es geschah auf der  Zugfahrt von Bordesholm nach Elmshorn.  Die alte Dame schaute hinaus in die blühende Landschaft. Dann hörte sie ein Summen und schon war es passiert. Eine Mücke hatte sich auf ihren Handrücken gesetzt und zugestochen. Sogleich bildete sich eine rötliche Schwellung, ungefähr so groß wie eine Johannisbeere. Das verzweifelte Opfer rief nach dem Schaffner, der  einen im Zug anwesenden Arzt auftreiben konnte. Der half mit einem kühlenden Pflaster und einem leichten Beruhigungsmittel. In Elmshorn, das der Regionalexpress mit lediglich 25 Minuten Verspätung erreichte, fiel die Dame ihrer Schwiegertochter, die sie am Bahnsteig erwartet hatte, erleichtert und bestens gelaunt in die Arme.

Der Vorfall erzeugte im Anschluss an ein entsprechendes Video bei T-Online  in den Medien sowie in Politik und Justiz erhebliches Interesse. Nachdem die Bild-Zeitung in einer Sonderausgabe mit dem Titel „Bleibt nun auch unsere Gesundheit auf der  (Bahn-) Strecke?“ die Sache aufgegriffen hatte, nahm die zuständige Staatsanwaltschaft in Kiel sogleich Ermittlungen auf. Ein Verfahren gegen den Schaffner wurde zügig gegen eine Geldbuße von 600 EUR sowie die Auflage, drei Tage in der ambulanten Station eines Krankenhauses zu hospitieren, eingestellt. Daraufhin gab man die Akten an die Bundesanwaltschaft mit der Bitte, ein eventuell strafrechtliches Verhalten des Vorstandes der Deutschen Bahn zu durchleuchten. Nur sieben Tage später rückte im Morgengrauen in Berlin ein Einsatzkommando, bestehend aus 132 Polizeibeamten, 47 Kriminalbeamten sowie 16 Staatsanwälten, aus, um die Zentrale der DB im Wege einer Razzia zu besetzen. Der Vorwurf lautete „versuchte fahrlässige Beihilfe zum versuchten fahrlässigen Totschlag, hilfsweise zur fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassung“. Es wurde ca. 47.000 Akten und 350 Computer beschlagnahmt und durch 25 LKW abtransportiert. Zu diesem Zweck musste die Polizei das Gelände großzügig absperren. Auf den Straßen bildeten sich kilometerlange Rückstaus, tausende Berliner kamen zu spät zur Arbeit.

Ein von dem zuständigen Staatsanwalt Dr. E. Wurm beantragter Haftbefehl gegen den Vorstandsvorsitzenden der DB, einen gewissen Herrn Grube, wurde vom Gericht zurückgewiesen. Die sofortige Beschwerde bei der europäischen Menschenrechtskommission hatte keinen Erfolg. Das nahm die Bild-Zeitung zum Anlass, im Wege des investigativen Journalismus zu recherchieren, inwieweit die EU neben der Vernichtung des Euros nun auch den demokratischen Rechtsstaat gefährde. Die nächste Talk-Sendung bei Günther Jauch lockte mit dem Motto „Ist der Schienenverkehr noch verantwortbar?“ Anwesend waren so illustre Gäste wie Wolfgang Bosbach, Heiner Geissler, Olaf Henkel sowie Werner Hansch. Einer der beiden Sanitäter, die Heiner Geissler ins Studio getragen hatten,  durfte sich angesichts der Sachnähe ebenfalls zum Thema äußern.

Die Politik reagierte schnell. Seitens der CDU-Fraktion wurde ein Eilantrag ins Parlament gebracht. Es ging darum, das Personal der Bundesbahn mit medizinischer Vorsorge für jeden im Rahmen der Lebenserfahrung denkbaren Notfall auszustatten. In § 27 Abs. 1 Buchstabe a) 2. Halbsatz der  sechsundzwanzigsten Verordnung zum dreiundneunzigsten Ausführungsgesetz des Bundesarzneimittelgesetzes in der Fassung vom 23. Januar 2011 sollte es  heißen:

„Jeder Bedienstete der Deutschen Bahn, einschließlich ihrer Tochtergesellschaften, sowie aller im Schienenverkehr tätigen Unternehmen, mit Ausnahme der Lokführer sowie des Streckenpersonals, hat für die nachfolgend unter Ziffern 1-57 aufgeführten Krankheitsfälle für mindestens 35 Personen hinreichendes Vorsorge- bzw. Behandlungsmaterial , wie von der Bundesärztekammer im Einzelnen noch festzulegen, bei sich zu führen. Das gilt für alle Strecken ab zwei Kilometern. Die Zugbegleiter haben durch regelmäßige Durchsagen ihren jeweiligen Standort im Zug zu benennen.“

 

Bei der ersten Lesung im deutschen Bundestag kam es zu tumultartigen Szenen. Die Fraktion der Grünen lehnte den Antrag geschlossen ab. Daraufhin warf ihnen der FDP-Abgeordnete Jens Graf von Multhaupt vor, sie würden offenbar das Wohlbefinden des gemeinen Juchtekäfers oder der hohlwangigen Hufeisennase höher als die Gesundheit des deutschen Staatsbürgers und Steuerzahlers werten. Claudia Roth erwiderte darauf hin, die Grünen stuften diesen Gesetzesentwurf als diskriminierend und in höchstem Maße menschenverachtend ein, da er nicht die Gesundheit aller im Zug befindlichen Passagiere gewährleiste. Das sei eine Verhöhnung vieler unschuldiger Opfer.  Als der Bundesgesundheitsminister daraufhin rügte, der Beitrag von Frau Roth missachte die Geschäftsordnung des Parlamentes, da sie nicht auf der Rednerliste gestanden habe, forderte der Abgeordnete Gregor Giesy den sofortigen Rücktritt des Ministers, denn ein solcher Angriff auf die verfassungsrechtlich garantierte Meinungsfreiheit sei unerträglich. Die Fraktionen von CDU/CSU sowie FDP verließen daraufhin geschlossen den Saal.

Die Verordnung wurde nach Durchlauf im Vermittlungsausschuss mit knapper Mehrheit verabschiedet.  Aufgrund rechtlicher Bedenken zögerte der Bundespräsident mit der Unterzeichnung. Dies nahm die Fraktion der CSU zum Anlass, eine einstweilige Verfügung beim Bundesverfassungsgericht zu beantrage, die aber wegen Unzulässigkeit verworfen wurde.

Der von dem regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit nach dem Rücktritt von Herrn Grube ins Amt beförderte  Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn  verfügte nach Inkrafttreten der Vorordnung, das gesamte Streckennetz im Umfeld von drei Kilometern von jeglichem die Population von Insekten und anderem Ungeziefer fördernden Pflanzenbewuchs zu befreien, damit sich Vorfälle wie in Bordesholm nicht wiederholen könnten. Ungeachtet dessen dauern die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Herrn Grube noch an.

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