Monatsarchiv: Januar 2013

Ricard Wagner: Die Walküre (Wotans Abschied)


Wotan
Leb wohl, du kühnes, herrliches Kind!
Du meines Herzens heiligster Stolz!
Leb wohl! Leb wohl! Leb wohl!
Muss ich dich meiden,
und darf nicht minnig
mein Gruss dich mehr grüssen;
sollst du nun nicht mehr neben mir reiten,
noch Met beim Mahl mir reichen;
muss ich verlieren dich, die ich liebe,
du lachende Lust meines Auges:
ein bräutliches Feuer soll dir nun brennen,
wie nie einer Braut es gebrannt!
Flammende Glut umglühe den Fels;
mit zehrenden Schrecken
scheuch es den Zagen;
der Feige fliehe Brünnhildes Fels!
Denn einer nur freie die Braut,
der freier als ich, der Gott!


Der Augen leuchtendes Paar,
das oft ich lächelnd gekost,
wenn Kampfeslust ein Kuss dir lohnte,
wenn kindisch lallend der Helden Lob
von holden Lippen dir floss:
dieser Augen strahlendes Paar,
das oft im Sturm mir geglänzt,
wenn Hoffnungssehnen das Herz mir sengte,
nach Weltenwonne mein Wunsch verlangte
aus wild webendem Bangen:
zum letztenmal
letz‘ es mich heut
mit des Lebewohles letztem Kuss!
Dem glücklichern Manne
glänze sein Stern:
dem unseligen Ew’gen
muss es scheidend sich schliessen.
Denn so kehrt der Gott sich dir ab,
so küsst er die Gottheit von dir!


Loge, hör! Lausche hieher!
Wie zuerst ich dich fand, als feurige Glut,
wie dann einst du mir schwandest,
als schweifende Lohe;
wie ich dich band, bann ich dich heut!
Herauf, wabernde Lohe,
umlodre mir feurig den Fels!
Loge! Loge! Hieher!


Wer meines Speeres Spitze fürchtet,
durchschreite das Feuer nie!

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„San Francisco“ Eine Illusion


San Francisco

 

“If you`re going to San Francisco

be sure to wear some flowers in your hair.

If you`re going to San Francisco

you’re gonna meet some gentle people there.

For those who come to San Francisco

summertime will be a loving there.

In the streets of San Francisco

gentle people with flowers in their hair.

All they crossed the nation

such a strange vibration, people in motion.

There’s a whole generation with the new exponation.

People in motion, people in motion.

For those who come to San Francisco

Be sure to wear some flowers in your hair.

If you come to San Francisco

Summertime will be a loving there.

If you come to San Francisco

Summertime will be a loving there.”

 

Dieser wunderschöne Song von Scott McKenzie verknüpfte in findiger Weise sensibler Melodik mit der Aufbruchsstimmung junger Menschen, die nach einem neuen Lebensgefühl in unbegrenzter Freiheit suchten. „Freedom is just another word for nothing left to lose” sang Janis Joplins in “Me and bobby mcgee”. Also fort mit allen Besitztümern, mit dem spießigen Karrieredenken der Eltern und mit einer Obrigkeit, die lediglich den Interessen des sogenannten Establishments diente. Mit Blumen in den Haaren wollte man den  Sommer feiern, ein Fest der Liebe zwischen allen sanftmütigen Leuten, etwas, das nicht mehr enden würde und niemandem mehr verloren gehen konnte. Es  war die schon zitierte „Flower Power“ Ära“, die ihren Höhepunkt 1969 in dem Woodstock-Festival mit über 400.000 Teilnehmern fand. Erstklassige Bands wie „The Who“ waren dabei und Joe Cocker rühmte mit der ihm eigenen Körpersprache in “With A Little Help From My Friends” die Kraft der Freundschaft währen Jimi Hendrix zu den Klängen der amerikanischen Nationalhymne seine Gitarre zertrümmerte. Man hielt sich in den Armen, die Pfeifchen kreisten und selbst der schlimmste Platzregen wurde mit einstimmigem Hallo begrüßt. Das war bunt, expressiv und liebenswert, indes setzte „San Francisco“ einen stillen Gegenentwurf, der zumindest in Form und Impression der musikalischen Beschaffenheit von „Ganz in Weiß“ glich und nicht zufällig zur gleichen Zeit erschien.

 

Wer einmal die amerikanische Westküste bereist hat, versteht die Stimmung dieses Liedes. Es gibt sehr viel Sonne und Wärme, üppiges Grün, Palmen und Orchideen in allen nur denkbaren Farben. Bei Los Angeles  findet man das Beverly Hills Hotel, Vorbild für den düster-melancholischen Hit der Eagles „Hotel Calfornia“.

 

Dort heißt es

“She got a lot of pretty, pretty boys, that she calls friends
How they dance in the courtyard, sweet summer sweat.
Some dance to remember, some dance to forget”

 

und es ist von Freunden, dem Sommer und dem Tanz des Vergessens die Rede aber alles scheint Trug, so wie die „whole generation with the new exponation“  nicht mehr da ist. Dennoch bleiben die geflochtenen Blumenkränze mit ihrem berückenden Duft im Gedächtnis. Steht man heute in einer der engen Gassen von San Francisco und schaut zu den vielen Hügeln empor, dann wird die Vision wieder lebendig. Es sind poetische Bilder voller Anmut. Erneut tanzen schöne Mädchen und Jungs  auf den Straßen, schauen sich in den unzähligen Cafés in die hübschen Augen und nehmen uns an die Hand um aus der Stadt hinaus auf die mit Blüten überreich geschmückten Wiesen zu ziehen. Ein Traum, weiß Gott, es ist nur ein Traum.

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Richard Wagner: Meistersinger (Wahn-Monolog)


SACHS
Wahn! Wahn!
Überall Wahn!
Wohin ich forschend blick
in Stadt- und Weltchronik,
den Grund mir aufzufinden,
warum gar bis aufs Blut
die Leut sich quälen und schinden
in unnütz toller Wut?
Hat keiner Lohn
noch Dank davon;
in Flucht geschlagen
wähnt er zu jagen;
hört nicht sein eigen
Schmerzgekreisch,
wenn er sich wühlt ins eigne Fleisch,
wähnt Lust sich zu erzeigen!
Wer gibt den Namen an?
‘s ist halt der alte Wahn,
ohn den nichts mag geschehen,
‘s mag gehen oder stehen!
Steht’s wo im Lauf,
er schläft nur neue Kraft sich an:
gleich wacht er auf; –
dann schaut, wer ihn bemeistern kann! …
Wie friedsam treuer Sitten,
getrost in Tat und Werk,
liegt nicht in Deutschlands Mitten
mein liebes Nürenberg!
(Er blickt mit freudiger
Begeisterung ruhig vor sich hin.)
Doch eines Abends spat,
ein Unglück zu verhüten
bei jugendheißen Gemüten,
ein Mann weiß sich nicht Rat;
ein Schuster in seinem Laden
zieht an des Wahnes Faden;
wie bald auf Gassen und Straßen
fängt der daan zu rasen!
Mann, Weib, Gesell und Kind
fällt sich da an wie toll und blind;
und will’s der Wahn gesegnen,
nun muß es Prügel regnen,
mit Hieben, Stoß und Dreschen
den Wutesbrand zu löschen.
Gott weiß, wie das geschah?
Ein Kobold half wohl da: –
ein Glühwurm fand sein Weibchen nicht,
der hat den Schaden angericht’t.
Der Flieder war’s: – Johannisnacht!
Nun aber kam Johannistag!
Jetzt schaun wir, wie Hans Sachs es macht,
daß er den Wahn fein lenken kann,
ein edler Werk zu tun:
denn läßt er uns nicht ruhn,
selbst hier in Nürenberg,
so sei’s um solche Werk,
die selten vor gemeinen Dingen
und nie ohne ein’gen Wahn gelingen.

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Willi Ostermann: Heimweh nach Köln


En Kölle am Rhing ben ich jebore
ich han – un dat litt mir em Senn –
ming Muttersproch noch net verloore
dat is jet, wo ich stolz drop ben.

Wenn ich su ahn ming Heimat denke
un sinn d’r Dom su vür mer stonn,
mööch ich direk op Heim ahnschwenke,
ich mööch zo Foß noh Kölle jonn.
Mööch ich direk op Heim ahnschwenke,
ich mööch zo Foß noh Kölle jonn.

Un deit d’r Herrjott mich ens roofe,
dem Petrus saren ich alsdann:
„Ich kann et räuhisch dir verzälle,
dat Sehnsuch ich noh Kölle han.

Wenn ich su ahn ming Heimat denke
un sinn d’r Dom su vür mer stonn,
mööch ich direk op Heim ahnschwenke,
ich möch zo Foß noh Kölle jonn.
Mööch ich direk op Heim ahnschwenke,
ich mööch zo Foß noh Kölle jonn.

Un luuren ich vum Himmelspöözje
dereins he op ming Vatterstadt,
will still ich noch do bovven sare,
wie jän ich dich, mi Kölle, hatt.

Wenn ich su ahn ming Heimat denke
un sinn d’r Dom su vür mer stonn,
mööch ich direk op Heim ahnschwenke,
ich mööch zo Foß noh Kölle jonn.
Mööch ich direk op Heim ahnschwenke,
ich mööch zo Foß noh Kölle jonn.

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