Monatsarchiv: Dezember 2012

Richard Wagner: Parsial (Finale)


Amfortas ist jetzt auf das Ruhebett hinter dem Gralstische niedergelassen, der Sarg davor niedergesetzt worden; die Ritter wenden sich an ihn.
II Zug
Wehe! Wehe! Der Hüter des Grals!
Ach, zum letzten Mal,
sie deines Amtes gemahnt!
Zum letzten Mal! Zum letzten Mal!
Amfortas
Ja, wehe, wehe! Weh‘ über mich!
So ruf‘ ich willig mit euch,
williger nähm‘ ich von euch den Tod,
der Sünde mildeste Sühne!
(Der Sarg wird geöffnet – Beim Anblick der Leiche Titurels bricht alles in einen jähen Wehruf aus. Amfortas richtet sich hoch von seinem Lager und wendet sich zur Leiche.)
Mein vater!
Hochgesegneter der Helden!
Du Reinster, dem einst die Engel sich neigten;
der einzig ich sterben sollt‘,
dir – gab ich den Tod!
O! Der du jetzt in göttlichen Glanz
den Erlöser selbst erschaust,
erflehe von ihm, dass sein heiliges Blut,
wenn noch einmal heut sein Segen
die Brüder soll erquicken,
wie ihnen neues Leben
mir endlich spende – den Tod!
Tod! Sterben!
Einz’ge Gnade!
Die schreckliche Wunde, das Gift, ersterbe,
das es zernagt, erstarre das Herz!
Mein Vater! Dich – ruf‘ ich,
rufe du ihm es zu;
Erlöser, gib meinem Sohne Ruh‘!
Ritter (sich näher an Amfortas herandrängend)
Enthüllet den Gral!
Walte des Amtes!
Dich mahnet dein Vater;
du muss! Du muss!

Amfortas springt in wütender Verzweiflung auf und stürzt sich unter die zurückweichenden Ritter.
Amfortas
Nein! Nicht mehr! Ha!
Schon fühl‘ ich den Tod mich umnachten
und noch einmal sollt‘ ich ins Leben zurück?
Wahnsinnige!
Wer will mich zwingen zu leben?
Könnt ihr doch Tod mir nur geben!
Er reicht sich das Gewand auf
Hier bin ich – die offne Wunde hier!
Das mich vergiftet, hier fliesst mein Blut.
Heraus die Waffe! Taucht eure Schwerter,
tief – tief, bis ans Heft!
Auf! Ihr Helden!
Tötet den Sünder mit seiner Qual,
von selbst dann leuchtet euch wohl der Gral!

Alles ist scheu vor Amfortas gewichen. Parsifal ist, von Gurnemanz und Kundry begleitet, unvermerkt unter den Rittern erschienen, tritt hervor und streckt den Speer aus, mit dessen Spitze er Amfortas‘ Seite berührt.
Parsifal
Nur eine Waffe taugt –
die Wunde schliess
der Speer nur, der sie schlug.
(Amfortas‘ Miene leuchtet in heiliger Entzückung auf; er schient vor grösser Ergriffenheit zu schwanken; Gurnemanz stützt ihn.)
Sei heil, entsündigt und gesühnt!
Denn ich verwalte nun dein Amt.
Gesegnet sei dein Leiden,
das Mittleids höchste Kraft,
und reinsten Wissens Macht
dem zagen Toren gab!
(Parsifal schreitet nach der Mitte, den Speer hoch vor sich erhebend.)
Den heil’gen Speer –
ich bring‘ ihn euch zurück!
(Alles blickt in höchster Entzückung auf den emporgehaltenen Speer, zu dessen Spitze augschauend Parsifal in Begesiterung fortfährt.)
O! Welchen Wunders höchstes Gluck!
Der deine Wunde durfte schliessen,
ihm seh‘ ich heil’ges Blut entfliessen
in Sehnsucht nach dem verwandten Quelle,
der dort fliesst in des Grales Welle.
Nicht soll der mehr verschlossen sein;
enthüllet den Gral, öffnet den Schrein!

Parsifal besteigt die Stufen des Weihtisches, entnimmt dem von den Knaben geöffneten Schrein den Gral und versenkt sich, unter stummem Gebet, kniend in seinen Anblick. Allmähliche sanfte Erleuchtung des Grales. Zunehmende Dämmerung in der Tiefe, bei wachsendem Lichtschrein aus der Höhe.
Knaben, Jünglinge und Ritter (mit stimmen aus der mittleren sowie der obersten Höhe kaum hörbar leise)
Höchsten Heiles Wunder!
Erlösung dem Erlöser!

Lichtstral; hellstes Erglühen des Grales. Aus der Kuppel schwebt eine weisse Taube herab und verweilt über Parsifals Haupt. Kundry sinkt, mit dem Blicke zu ihm auf, langsam vor Parsifal entseelt zu Boden. Amfortas und Gurnemanz huldigen kniend Parsifal, welcher den Gral segnend über die anbetende Ritterschaft schwingt.

Ende

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Profil


Ich liebe Schönheit und Trauer. Ich mag Opern und habe Sehnsucht nach fernen Ländern und vergangenen Epochen. Rilke, Eichendorff und Hesse haben mich und meine Erzählungen geprägt. Dazu der „Tristan“ und der „Fliegende Holländer“. Mein Motto lautet: „Der Welt auf immer ein Rätsel bleiben:“ Ludwig II ist für mich die faszinierendste Persönlichkeit der Geschichte, die größte aber ist Mozart.

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Richard Wagner: Lohengrin -Finale


Lohengrin

Schon sendet nach dem Säumigen der Gral!

(Unter der gespanntesten Erwartung der übrigen tritt er dem Ufer näher und neigt sich zu dem Schwan, ihn wehmütig betrachtend.)

Mein lieber Schwan!
Ach, diese letzte, traur’ge Fahrt,
wie gern hätt‘ ich sie dir erspart!
In einem Jahr, wenn deine Zeit
im Dienst zu Ende sollte gehn –
dann, durch des Grales Macht befreit,
wollt‘ ich dich anders wieder sehn!

(Er wendet sich im Ausbruch heftigen Schmerzes in den Vordergrund zu Elsa zurück.)

O Elsa! Nur ein Jahr an deiner Seite
hatt‘ ich als Zeuge deines Glücks ersehnt!
Dann kehrte, selig in des Grals Geleite,
dein Bruder wieder, den du tot gewähnt.

(Alle drücken ihre Überraschung aus. Lohengrin überreicht Elsa sein Horn, sein Schwert und seinen Ring.)

Kommt er dann heim, wenn ich ihm fern im Leben,
dies Horn, dies Schwert, den Ring sollst du ihm geben.
Dies Horn soll in Gefahr ihm Hilfe schenken,
in wildem Kampf dies Schwert ihm Sieg verleiht;
doch bei dem Ringe soll er mein gedenken,
der einst auch dich aus Schmach und Not befreit!

(Während er Elsa, die keines Ausdrucks mächtig ist, wiederholt küßt.)

Leb wohl! Leb wohl! Leb wohl, mein süßes Weib!
Leb wohl! Mir zürnt der Gral, wenn ich noch bleib!
Leb wohl, leb wohl!

(Elsa hat sich krampfhaft an ihm festgehalten; endlich verläßt sie die Kraft, sie sinkt ihren Frauen in die Arme, denen sie Lohengrin übergibt, wonach dieser schnell dem Ufer zueilt.)

Der König, die Männer und Frauen

Weh! Weh! Weh! Du edler, holder Mann!
Welch harte Not tust du uns an!

Ortrud (tritt im Vordergrunde auf, mit jubelnder Gebärde)

Fahr heim! Fahr heim, du stolzer Helde,
daß jubelnd ich der Törin melde,
wer dich gezogen in dem Kahn!
Am Kettlein, das ich um ihn wand,
ersah ich wohl, wer dieser Schwan:
Es ist der Erbe von Brabant!

Alle

Ha!

Ortrud (zu Elsa)

Dank, daß den Ritter du vertrieben!
Nun gibt der Schwan ihm Heimgeleit:
Der Held, wär‘ länger er geblieben,
den Bruder hätt‘ er auch befreit!

Die Männer

Abscheulich Weib! Ha, welch Verbrechen
hast du in frechem Hohn bekannt!

Die Frauen

Abscheulich Weib!

Ortrud

Erfahrt, wie sich die Götter rächen,
von deren Huld ihr euch gewandt!

(Sie bleibt in wilder Verzückung hoch aufgerichtet stehen.)

(Lohengrin, bereits am Ufer angelangt, hat Ortrud genau vernommen und sinkt jetzt zu einem stummen Gebet feierlich auf die Knie. Aller Blicke richten sich in gespannter Erwartung auf ihn hin. Die weiße Gralstaube schwebt über dem Nachen herab. Lohengrin erblickt sie; mit einem dankbaren Blicke springt er auf und löst dem Schwan die Kette, worauf dieser sogleich untertaucht. An seiner Stelle hebt Lohengrin einen schönen Knaben in glänzendem Silbergewande – Gottfried – aus dem Flusse an das Ufer.)

Lohengrin

Seht da den Herzog von Brabant!
Zum Führer sei er euch ernannt!

(Ortrud sinkt bei Gottfrieds Anblick zusammen. Lohengrin springt schnell in den Kahn, den die Taube an der Kette gefaßt hat und sogleich fortzieht. Elsa blickt mit letzter freudiger Verklärung auf Gottfried, welcher nach vorn schreitet und sich vor dem König verneigt. Alle betrachten ihn mit seligem Erstaunen, die Brabanter senken sich huldigend vor ihm auf die Knie. Dann eilt Gottfried in Elsas Arme.)

Elsa (nach einer kurzen freudigen Entrückung, wendet hastig den Blick nach dem Ufer, wo sie Lohengrin nicht mehr erblickt)

Mein Gatte! Mein Gatte!

(In der Ferne wird Lohengrin wieder sichtbar; er steht mit gesenktem Haupte traurig auf seinen Schild gelehnt im Nachen.)

Elsa

Ach!

Der König, die Männer und Frauen

Weh!

(Elsa gleitet langsam entseelt in Gottfrieds Armen zu Boden. Lohengrin wird immer ferner gesehen.)

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Die Kachelmann Exekution


5.0 von 5 Sternen Rechtsstaat, 3. Dezember 2012
Von
Bernhard Wunsch (Berlin/Kiel) – Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz (Gebundene Ausgabe)

Einerseits sind die Ausführungen von Herrn Kachelmann nicht ganz schlüssig. Sind nämlich die Rechtsorgane tatsächlich solche vorurteilsbelasteten Ekelpakete, wie von ihm -speziell für die Justiz in Mannheim- dargelegt, dann erstaunt es, dass zum Beispiel seinen Eingaben, die er (als Laie) für Mitgefangene verfaßte, in der überwiegenden Anzahl der Fälle stattgegeben wurde. Andererseits weiß ich auf der Grundlage meiner juristischen Ausbildung und Tätigkeit, speziell im kriminologischen und strafprozessualen Bereich, dass die Tendenz des Buches stimmt. Rechtsstattliche Grundsätze werden zunehmend „vergewaltigt“ um im Bilde zu bleiben. Man denke nur an die Inflation von Hausdurchsuchungen und Razzien. Diese dienen nach der Strafprozessordnung der Beweissicherung aber nicht der Beweiserforschung. Die Wirklichkeit sieht anders aus und in vielen Fällen fehlt es auch an der Verhältnismäßigkeit. Aktuell ist der Fall eines weiteren Medienopfers, des Herrn Nonnenmacher, bei dem wegen „Falscher Verdächtigung durch Verschweigen“ zwei Wohnungen durchsucht wurden. Von einem solchen Tatvorwurf habe ich bislang nie etwas gehört, aber er mußte konstruiert werden, nachdem das Gericht sich scheut, die Anklage in der Hauptsache anzunehmen. Das erinnert an den Bankräuber, dem die Ernsthaftigkeit des Tatversuches nicht nachgewiesen werden konnte, der aber wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidung in Höhe der verbüßten Untersuchungshaft verurteilt wurde, da unter Ausschöpfung sämtlicher Beweismittel belegt werden konnte, dass er zur Kassiererin „Geld raus du Schlampe“ gesagt hat.

Neu und erschreckend sind für mich die Ausführungen von Kachelmann über die „Deals“ bei Drogendelikten und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Wenn das auch nur im Ansatz stimmt, ist die Staatsanwaltschaft auf Basis des Amtsermittlungsgrundsatzes verpflichtet, Verfahren in die Wege zu leiten. Aber nichts wird passieren, wer wühlt schon gerne im eigenen Mist. Außerdem ist die Staatsanwaltschaft mit der Auswertung von ca. 10.000 Dokumenten im Fall Wulff befaßt. Das Volk will es so.

Fazit: Ein vorzügliches Buch, das aber von denen, die es betrifft, ingnoriert wird und zudem Vorurteile nicht widerlegen kann, da es zum Wesen der Borniertheit zählt, den eigenen Horizont beschränkt zu halten.

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