Monatsarchiv: Juni 2012

Faust: Die Osternacht


CHOR DER ENGEL:
Christ ist erstanden!
Selig der Liebende,
Der die betruebende,
Heilsam und uebende
Pruefung bestanden.

FAUST:
Was sucht ihr, maechtig und gelind,
Ihr Himmelstoene, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
Die Botschaft hoer ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Zu jenen Sphaeren wag ich nicht zu streben,
Woher die holde Nachricht toent;
Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewoehnt,
Ruft er auch jetzt zurueck mich in das Leben.
Sonst stuerzte sich der Himmelsliebe Kuss
Auf mich herab in ernster Sabbatstille;
Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fuelle,
Und ein Gebet war bruenstiger Genuss;
Ein unbegreiflich holdes Sehnen
Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,
Und unter tausend heissen Traenen
Fuehlt ich mir eine Welt entstehn.
Dies Lieb verkuendete der Jugend muntre Spiele,
Der Fruehlingsfeier freies Glueck;
Erinnrung haelt mich nun, mit kindlichem Gefuehle,
Vom letzten, ernsten Schritt zurueck.
O toenet fort, ihr suessen Himmelslieder!
Die Traene quillt, die Erde hat mich wieder!

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Richard Wagner: Tristan und Isolde (Liebestod)


Isolde’s Liebestod (the text)

Mild und leise
wie er lächelt,
wie das Auge
hold er öffnet —
seht ihr’s Freunde?
Seht ihr’s nicht?
Immer lichter
wie er leuchtet,
stern-umstrahlet
hoch sich hebt?

Seht ihr’s nicht?
Wie das Herz ihm
mutig schwillt,
voll und hehr
im Busen ihm quillt?
Wie den Lippen,
wonnig mild,
süßer Atem
sanft entweht —
Freunde! Seht!
Fühlt und seht ihr’s nicht?
Hör ich nur
diese Weise,
die so wunder-
voll und leise,
Wonne klagend,
alles sagend,
mild versöhnend
aus ihm tönend,
in mich dringet,
auf sich schwinget,
hold erhallend
um mich klinget?
Heller schallend,
mich umwallend,
sind es Wellen
sanfter Lüfte?
Sind es Wogen
wonniger Düfte?
Wie sie schwellen,
mich umrauschen,
soll ich atmen,
soll ich lauschen?
Soll ich schlürfen,
untertauchen?
Süß in Düften
mich verhauchen?
In dem wogenden Schwall,
in dem tönenden Schall,
in des Welt-Atems
wehendem All —
ertrinken,
versinken —
unbewußt —
höchste Lust!

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