Monatsarchiv: April 2012

„Weiche, Wotan! Weiche“: Erdas Auftritt in Richard Wagners „Rheingold“


Music (Wotan wendet sich zürnend zur Seite. Die Bühne hat sich von neuem verfinstert. – Aus der Felskluft zur Seite bricht ein bläulicher Schein hervor; in ihm wird plötzlich Erda sichtbar, die bis zu halber Leibeshöhe aus der Tiefe aufsteigt; sie ist von edler Gestalt, weithin von schwarzem Haar umwallt)
ERDA
(die Hand  gegen
Wotan ausstreckend)
Weiche, Wotan! Weiche!
Flieh‘ des Ringes Fluch!
Rettungslos
dunklem Verderben
weiht dich sein Gewinn.
WOTANWer bist du, mahnendes Weib?
Music

Music

ERDAWie alles war – weiss ich;
wie alles wird,
wie alles sein wird, –
seh‘ ich auch,
der ew’gen Welt
Urwala,
Erda, mahnt deinen Mut.
Drei der Töchter,
urerschaff’ne,
gebar mein Schoss;
was ich sehe,
sagen dir nächtlich die Nornen.
Doch höchste Gefahr
führt mich heut‘
selbst zu dir her.
Höre! Höre! Höre!
Alles was ist, endet.
Ein düst’rer Tag
dämmert den Göttern:
dir rat‘ ich, meide den Ring!
(Erda versinkt langsam bis an die Brust, während der bläuliche Schein zu dunkeln beginnt)

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Siegfrieds Tod (aus Richard Wagners „Götterdämmerung“)


Siegfried
Brünnhilde, heilige Braut!
Wach auf! Öffne dein Auge!
Wer verschloß dich wieder in Schlaf?
Wer band dich in Schlummer so bang?
Der Wecker kam; er küßt dich wach,
und aber der Braut bricht er die Bande:
da lacht ihm Brünnhildes Lust!
Ach! Dieses Auge, ewig nun offen!
Ach, dieses Atems wonniges Wehen!
Süßes Vergehen, seliges Grauen:
Brünnhild‘ bietet mir – Gruß!

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Richard Wagner: Götterdämmerung (Waltraudes Bericht)


Waltraute

Höre mit Sinn, was ich dir sage!

Seit er von dir geschieden,

zur Schlacht nicht mehr schickte uns Wotan;

irr und ratlos ritten wir ängstlich zu Heer;

Walhalls mutige Helden mied Walvater.

Einsam zu Ross, ohne Ruh‘ noch Rast,

durchschweift er als Wandrer die Welt.

Jüngst kehrte er heim;

in der Hand hielt er seines Speeres Splitter:

die hatte ein Held ihm geschlagen.

Mit stummem Wink Walhalls Edle

wies er zum Forst, die Weltesche zu fällen.

Des Stammes Scheite hieß er sie schichten

zu ragendem Hauf rings um der Seligen Saal.

Der Götter Rat ließ er berufen;

den Hochsitz nahm heilig er ein:

ihm zu Seiten hieß er die Bangen sich setzen,

in Ring und Reih‘ die Hall‘ erfüllen die Helden.

So sitzt er, sagt kein Wort,

auf hehrem Sitze stumm und ernst,

des Speeres Splitter fest in der Faust;

Holdas Äpfel rührt er nicht an.

Staunen und Bangen binden starr die Götter.

Seine Raben beide sandt‘ er auf Reise:

kehrten die einst mit guter Kunde zurück,

dann noch einmal – zum letztenmal –

lächelte ewig der Gott.

Seine Knie umwindend, liegen wir Walküren;

blind bleibt er den flehenden Blicken;

uns alle verzehrt Zagen und endlose Angst.

An seine Brust preßt‘ ich mich weinend:

da brach sich sein Blick –

er gedachte, Brünnhilde, dein‘!

Tief seufzt‘ er auf, schloß das Auge,

und wie im Traume

raunt‘ er das Wort:

„Des tiefen Rheines Töchtern

gäbe den Ring sie wieder zurück,

von des Fluches Last

erlöst wär‘ Gott und Welt!“

Da sann ich nach: von seiner Seite

durch stumme Reihen stahl ich mich fort;

in heimlicher Hast bestieg ich mein Roß

und ritt im Sturme zu dir.

Dich, o Schwester, beschwör‘ ich nun:

was du vermagst, vollend‘ es dein Mut!

Ende der Ewigen Qual!

Sie hat sich vor Brünnhilde niedergeworfen.

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Richard Wagner: Die Walküre („der Männer Sippe“)


Sieglinde
Eine Waffe lass mich dir weisen: o wenn du sie gewännst!
Den hehrsten Helden dürft‘ ich dich heissen:
dem Stärksten allein ward sie bestimmt.
O merke wohl, was ich dir melde!
Der Männer Sippe sass hier im Saal,
von Hunding zur Hochzeit geladen.
Er freite ein Weib,
das ungefragt Schächer ihm schenkten zur Frau.
Traurig sass ich, während sie tranken;
ein Fremder trat da herein:
ein Greis in blauem Gewand;
tief hing ihm der Hut,
der deckt‘ ihm der Augen eines;
doch des andren Strahl, Angst schuf es allen,
traf die Männer sein mächtiges Dräu’n:
mir allein weckte das Auge
süss sehnenden Harm,
Tränen und Trost zugleich.
Auf mich blickt‘ er und blitzte auf jene,
als ein Schwert in Händen er schwang;
das stiess er nun in der Esche Stamm,
bis zum Heft haftet‘ es drin:
dem sollte der Stahl geziemen,
der aus dem Stamm es zög‘.
Der Männer alle, so kühn sie sich mühten,
die Wehr sich keiner gewann;
Gäste kamen und Gäste gingen,
die stärksten zogen am Stahl –
keinen Zoll entwich er dem Stamm:
dort haftet schweigend das Schwert.
Da wusst‘ ich, wer der war,
der mich Gramvolle gegrüsst; ich weiss auch,
wem allein im Stamm das Schwert er bestimmt.
O fänd‘ ich ihn hier und heut, den Freund;
käm‘ er aus Fremden zur ärmsten Frau:
was je ich gelitten in grimmigem Leid,
was je mich geschmerzt in Schande und Schmach,
süsseste Rache sühnte dann alles!
Erjagt hätt‘ ich, was je ich verlor,
was je ich beweint, wär‘ mir gewonnen,
fänd‘ ich den heiligen Freund,
umfing‘ den Helden mein Arm!

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Richard Wagner: Lohengrin (Gralserzählung)


LOHENGRIN
In fernem Land, unnahbar euren Schritten,
liegt eine Burg, die Montsalvat genannt;
ein lichter Tempel stehet dort inmitten,
so kostbar, als auf Erden nichts bekannt;
drin ein Gefäss von wundertät’gem Segen
wird dort als höchstes Heiligtum bewacht:
Es ward, dass sein der Menschen reinste pflegen,
herab von einer Engelschar gebracht;
alljährlich naht vom Himmel eine Taube,
um neu zu stärken seine Wunderkraft:
Es heisst der Gral, und selig reinster Glaube
erteilt durch ihn sich seiner Ritterschaft.
Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren,
den rüstet er mit überird’scher Macht;
an dem ist jedes Bösen Trug verloren,
wenn ihn er sieht, weicht dem des Todes Nacht.
Selbst wer von ihm in ferne Land‘ entsendet,
zum Streiter für der Tugend Recht ernannt,
dem wird nicht seine heil’ge Kraft entwendet,
bleibt als sein Ritter dort er unerkannt.
So hehrer Art doch ist des Grales Segen,
enthüllt – muss er des Laien Auge fliehn;
des Ritters drum sollt Zweifel ihr nicht hegen,
erkennt ihr ihn – dann muss er von euch ziehn.
Nun hört, wie ich verbotner Frage lohne!
Vom Gral ward ich zu euch daher gesandt:
Mein Vater Parzival trägt seine Krone,
sein Ritter ich – bin Lohengrin genannt.

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Richard Wagner: Götterdämmerung (das Finale „Starke Scheite schichtet mir dort“)


Brünnhilde (allein in der Mitte; nachdem sie lange, zuerst mit tiefer Erschütterung, dann mit fast überwältigender Wehmut das Angesicht Siegfrieds betrachtet, wendet sie sich mit feierlicher Erhebung an die Männer und Frauen)
Starke Scheite schichtet mir dort
am Rande des Rheins zuhauf!
Hoch und hell lodre die Glut,
die den edlen Leib
des hehrsten Helden verzehrt.
Sein Roß führet daher,
daß mit mir dem Recken es folge;
denn des Helden heiligste Ehre zu teilen,
verlangt mein eigener Leib.
Vollbringt Brünnhildes Wunsch!

(Die jüngeren Männer errichten während des Folgenden vor der Halle nahe am Rheinufer einen mächtigen Scheiterhaufen, Frauen schmücken ihn mit Decken, auf die sie Kräuter und Blumen streuen.)

Wie Sonne lauter strahlt mir sein Licht:
der Reinste war er, der mich verriet!
Die Gattin trügend, treu dem Freunde,
von der eignen Trauten, einzig ihm teuer,
schied er sich durch sein Schwert.
Echter als er schwur keiner Eide;
treuer als er hielt keiner Verträge;
lautrer als er liebte kein andrer:
und doch, alle Eide, alle Verträge,
die treueste Liebe trog keiner wie er!
Wißt ihr, wie das ward?

(Nach oben blickend.)

O ihr, der Eide ewige Hüter!
Lenkt euren Blick auf mein blühendes Leid,
erschaut eure ewige Schuld!
Meine Klage hör, du hehrster Gott!
Durch seine tapferste Tat,
dir so tauglich erwünscht,
weihtest du den, der sie gewirkt,
dem Fluche, dem du verfielest:
mich mußte der Reinste verraten,
daß wissend würde ein Weib!
Weiß ich nun, was dir frommt?
Alles, alles, alles weiß ich,
alles ward mir nun frei!
Auch deine Raben hör‘ ich rauschen;
mit bang ersehnter Botschaft
send‘ ich die beiden nun heim.
Ruhe, ruhe, du Gott!

(Sie winkt den Mannen, Siegfrieds Leiche auf den Scheiterhaufen zu tragen; zugleich zieht sie von Siegfrieds Finger den Ring und betrachtet ihn sinnend.)

Mein Erbe nun nehm‘ ich zu eigen.
Verfluchter Reif! Furchtbarer Ring!
Dein Gold fass‘ ich und geb‘ es nun fort.
Der Wassertiefe weise Schwestern,
des Rheines schwimmende Töchter,
euch dank‘ ich redlichen Rat.
Was ihr begehrt, ich geb es euch:
aus meiner Asche nehmt es zu eigen!
Das Feuer, das mich verbrennt,
rein’ge vom Fluch den Ring!
Ihr in der Flut löset ihn auf,
und lauter bewahrt das lichte Gold,
das euch zum Unheil geraubt.

(Sie hat sich den Ring angesteckt und wendet sich jetzt zu dem Scheiterhaufen, auf dem Siegfrieds Leiche ausgestreckt liegt. Sie entreißt einem Manne den mächtigen Feuerbrand, schwingt diesen und deutet nach dem Hintergrund.)

Fliegt heim, ihr Raben!
Raunt es eurem Herren,
was hier am Rhein ihr gehört!
An Brünnhildes Felsen fahrt vorbei.
Der dort noch lodert,
weiset Loge nach Walhall!
Denn der Götter Ende dämmert nun auf.
So – werf‘ ich den Brand
in Walhalls prangende Burg.

(Sie schleudert den Brand in den Holzstoß, der sich schnell hell entzündet. Zwei Raben sind vom Felsen am Ufer ausgeflogen und verschwinden nach dem Hintergrunde zu.

Brünnhilde gewahrt ihr Roß, welches zwei junge Männer hereinführen. Sie ist ihm entgegengesprungen, faßt es und entzäumt es schnell; dann neigt sie sich traulich zu ihm.)

Grane, mein Roß, sei mir gegrüßt!
Weißt du auch, mein Freund,
wohin ich dich führe?
Im Feuer leuchtend, liegt dort dein Herr,
Siegfried, mein seliger Held.
Dem Freunde zu folgen, wieherst du freudig?
Lockt dich zu ihm die lachende Lohe?
Fühl meine Brust auch, wie sie entbrennt;
helles Feuer das Herz mir erfaßt,
ihn zu umschlingen, umschlossen von ihm,
in mächtigster Minne vermählt ihm zu sein!
Heiajoho! Grane!
Grüß deinen Herren!
Siegfried! Siegfried! Sieh!
Selig grüßt dich dein Weib!

(Sie hat sich auf das Roß geschwungen und sprengt mit einem Satze in den brennenden Scheiterhaufen. Sogleich steigt prasselnd der Brand hoch auf, so daß das Feuer den ganzen Raum vor der Halle erfüllt und diese selbst schon zu ergreifen scheint. Entsetzt drängen sich die Männer und Frauen nach dem äußersten Vordergrunde. Als der ganze Bühnenraum nur noch von Feuer erfüllt erscheint, verlischt plötzlich der Glutschein, so daß bald bloß ein Dampfgewölk zurückbleibt, welches sich dem Hintergrunde zu verzieht und dort am Horizont sich als finstere Wolkenschicht lagert. Zugleich ist vom Ufer her der Rhein mächtig angeschwollen und hat seine Flut über die Brandstätte gewälzt. Auf den Wogen sind die drei Rheintöchter herbeigeschwommen und erscheinen jetzt über der Brandstätte. Hagen, der seit dem Vorgange mit dem Ringe Brünnhildes Benehmen mit wachsender Angst beobachtet hat, gerät beim Anblick der Rheintöchter in höchsten Schreck. Er wirft hastig Speer, Schild und Helm von sich und stürzt wie wahnsinnig sich in die Flut.)

Hagen
Zurück vom Ring!

(Woglinde und Wellgunde umschlingen mit ihren Armen seinen Nacken und ziehen ihn so, zurückschwimmend, mit sich in die Tiefe. Floßhilde, den anderen voran dem Hintergrunde zuschwimmend, hält jubelnd den gewonnenen Ring in die Höhe. Durch die Wolkenschicht, welche sich am Horizont gelagert, bricht ein rötlicher Glutschein mit wachsender Helligkeit aus. Von dieser Helligkeit beleuchtet, sieht man die drei Rheintöchter auf den ruhigeren Wellen des allmählich wieder in sein Bett zurückgetretenen Rheines, lustig mit dem Ringe spielend, im Reigen schwimmen. Aus den Trümmern der zusammengestürzten Halle sehen die Männer und Frauen in höchster Ergriffenheit dem wachsenden Feuerschein am Himmel zu. Als dieser endlich in lichtester Helligkeit leuchtet, erblickt man darin den Saal Walhalls, in welchem die Götter und Helden, ganz nach der Schilderung Waltrautes im ersten Aufzuge, versammelt sitzen. Helle Flammen scheinen in dem Saal der Götter aufzuschlagen. Als die Götter von den Flammen gänzlich verhüllt sind, fällt der Vorhang.)


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Richard Wagner: der Fliegende Holländer (Monolog)


Holländer
Die Frist ist um,
und abermals verstrichen sind sieben Jahr‘.
Voll Überdruß wirft mich das Meer ans Land . . .
Ha, Stolzer Ozean!
In kurzer Frist sollst du mich wieder tragen!

Dein Trotz ist beugsam,
doch ewig meine Qual!
Das Heil, das auf dem Land ich suche,
nie werd‘ ich es finden!
Euch, des Weltmeers Fluten; bleib‘ ich getreu,
bis eure letzte Welle sich bricht,
und euer letztes Naß versiegt!
Wie oft in Meeres tiefsten Schund
stürzt‘ ich voll Sehnsucht mich hinab:
doch ach! den Tod, ich fand ihn nicht!
Da, wo der Schiffe furchtbar‘ Grab,
trieb mein Schiff ich zum Klippengrund;
Doch ach! mein Grab, es schloß sich nicht.
Verhöhnend droht‘ ich dem Piraten,
in wildem Kampfe erhofft ich Tod.
„Hier,“ rief ich, „zeige deine Taten,
Von Schätzen voll sind Schiff und Boot!“
Doch ach! des Meer’s barbar’scher Sohn
schlägt bang das Kreuz und flïgt davon.
Wie oft in Meeres tiefsten Schlund
stürzt‘ ich voll Sehnsucht mich hinab.
Da, wo der Schiffe fürchtbar Grab
trieb mein Schiff ich im Klippengrund:
Nirgends ein Grab! Niemals der Tod!
Dies der Verdammis Schreckgebot.
Dich frage ich, gepreisner Engel Gottes,
der meines Heils Bedingung mir gewann;
war ich Unsel’ger Spielwerk deines Spottes,
als die Erlösung du mir zeigtest an?
Vergeb’ne Hoffnung! Furchtbar eitler Wahn!
Un ew’ge Treu‘ auf Erden – ist’s getan!
Nur eine Hoffnung soll mir bleiben,
nur eine unerschuettert steh’n:
so lang‘ der Erde Keim‘ auch treiben,
so muß sie doch zugrunde gehn!
Tag des Gerichtes! Jüngster Tag!
Wann brichst du an in meine Nacht?
Wann dröhnt er, der Vernichtungschlag,
mit dem die Welt zusammenkracht?
Wann alle Toten auferstehn.
Dann werde ich in Nichts vergehn.
Ihr Welten, endet euren Lauf!
Ew’ge Vernichtung, nimm mich auf!

Mannschaft des Holländers: [aus dem schiffsraum]
Ew’ge Vernichtung, nimm uns auf!

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