Monatsarchiv: März 2012

Ist dies etwa der Tod? (Eichendorff: Im Abendrot)


Wir sind durch Not und Freude
Gegangen Hand in Hand,
Vom Wandern ruhen wir beide
Nun überm stillen Land.Rings sich die Täler neigen,
Es dunkelt schon die Luft,
Zwei Lerchen nur noch steigen
Nachträumend in den Duft.Tritt her und laß sie schwirren,
Bald ist es Schlafenszeit,
Daß wir uns nicht verirren
In dieser Einsamkeit.
O weiter, stiller Friede!
So tief im Abendrot ,
Wie sind wir wandermüde –
Ist das etwa der Tod?

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Eichendorff „Und meine Seele…..“


 joseph Linksjoseph LiteraturjosephGedichte-Wegweiser


Es war, als hätt‘ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

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Friedrich Rückert. Abschied


Gedichte » Friedrich Rückert » Sechste Reihe. Herbst » Abschied

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Abschied

Ihr Berg‘ und o ihr Thäler, hoch und tief,
Die ihr mir lange war’t ein fremdes Land,
In welchem nie mein Herz die Heimat fand,
Die stets der Sehnsucht aus der Ferne rief!
Da endlich nun die Sehnsucht hier entschlief,
Da mir die neue Heimat hier entstand,
Wo mich umketten wollte trautes Band;
Euch reichen muß ich nun den Scheidebrief.
Ihr Berg‘ und o ihr Thäler, habt Ade!
Was ich hier fand, wo find‘ ich’s wieder je?
Lebt wohl! ich sag‘ euch Lebewohl mit Weh.

Du sanftumbüschter Garten, süßer Ort,
Du hast ein Jahrlang mit vergeb’nen Müh’n
Dem aufgenommnen Fremdling wollen blühn
Und bliebst dem kranken Sinne stets verdorrt!
Und nun, da plötzlich durch ein Zauberwort
An allen Plätzen du mir wurdest grün,
Mir alle deine Rosen Funken sprühn, –
Das Schicksal ruft, und ich muß von dir fort.
Wie nun zur Hand den Wanderstab ich nahm,
Ist er so dürr wie damals, da ich kam;
Leb‘ wohl! dir sag‘ ich Lebewohl mit Gram.

O stiller See, bewegt vom Ruderklang
Des Schwanes, der die feuchten Kreise zieht
Um seine Insel, wo in Schilf und Ried
Das Weib ihm sitzt und brütet! – o wie lang‘
Belauscht‘, o Schwan, ich deinen Lebensgang,
Und meine Thräne mehrte dein Gebiet.
Ich sah im See ein Schattenbild, es flieht,
Du schweigst und hörest meinen Schwanensang.
O Wellen, die ihr meine Thränen seid,
Einst Spiegel meines Glücks und nun mein Neid,
Lebt wohl! ich sag‘ euch Lebewohl mit Leid.

O Stadt mit allen Häusern Dach an Dach,
Die ihr als Gast mich aufgenommen habt,
Die ihr zuerst mir nur ein Obdach gabt
Und keine Freud‘ im einsamen Gemach.
Da nun aus euerem Gestein ein Bach
Des Lebens ist entsprungen, der mich labt, –
Muß ich mich von euch wenden – o begrabt
In eurer Giebel Rauch mein letztes Ach!
Wie ich aus euch mich sehnte heimatwärts,
So wird nach euch sich sehnen nun mein Herz;
Lebt wohl! ihr seht mich von euch gehn mit Schmerz.

O Berg und Thal, o Garten, See und Stadt,
Ein Himmel mir, so weit als sich der Saum
Des Himmels dehnt! mir erst ein öder Raum,
Wo meine Seele nirgends wurde satt.
Nun sich das alles mir verwandelt hat
Und hier mir sproßt des Lebens grünster Baum;
Ist es zum Abschied mir als wie ein Traum, –
Daß ich davon mitnehme nicht ein Blatt.
O Stadt, o See, o Garten, Berg und Thal!
Vergold‘ euch schön der Morgensonne Strahl!
Lebt wohl! und laßt mich scheiden ohne Qual!

Friedrich Rückert
Aus der Sammlung Sechste Reihe. Herbst

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Rilke: Ich fürchte mich so—–


Rainer Maria Rilke

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn, und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

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Der Fliegende Holländer


……  ich war noch ein kleiner Bub, sie ging mit mir in den Fliegenden Holländer, den ich gestern erneut erlebte. Ich empfand Mitgefühl mit dem untoten Holländer, soweit ich der Handlung überhaupt folgen konnte. Dennoch begriff ich nichts von seiner Bestimmung, seinem Schicksal. Es waren auch ganz andere Dinge, die mich bei dieser Premiere faszinierten. Da öffnete sich ein roter Samtvorhang vor einer Bühne, die nahezu fünfmal so hoch war, wie die Menschen, die darauf standen und schreckliche Lieder sangen. Die mächtige Bühne führte in der Tiefe direkt ins offene, tosende Meer. Dass dies ein von der Lichtregie gezeichneter Rundhorizont war, konnte ich als Knabe nicht erkennen. So zitterte ich vor Spannung, als ein kleiner roter Punkt erkennbar wurde, der sich mit rasender Geschwindigkeit näherte, bis vorne am Portal ein gewaltiges Schiff mit blutroten Segeln schaukelte. In dessen Tauwerk war ein bleicher Mann gefesselt, der einen langen dunklen Mantel, gleich dem eines Soldaten, trug. Er sang eine düstere Melodie von Tod und Vernichtung. Sie schaute etwas gelangweilt, aber ich bebte vor Aufregung. Sein Gesang endete mit einem strahlende Ton und als das Publikum klatschte, wusste ich, dass dies unpassend war, denn ich wollte diesem armen Mann helfen, so wie seine Gefährten, deren wehmütige Klage aus dem Bauch des Schiffes ertönte.

Die Schlussszene erlebte ich an diesem Abend mit offenem Mund, schmerzenden Ohren und heiligem Staunen. Da stand eine Frau in langem schwarzem Kleid auf hoher Klippe, triumphierte über Engel, Gebot, Treue und Tod, und stürzte sich in die Fluten. Das Gespensterschiff versank. Ohne Zweifel konnte ich mit neun Jahren weder die Musik Wagners noch die Dimensionen seiner Ballade erfassen. Aber meine zart kindliche Empfindung verspürte eine Ahnung von der Erlösung der gequälten Kreatur, als das Tosen des Orchesters sich in einer herrlichen Apotheose der Streicher verlor, die mir Jahre später in Tristan und Isolde wiederbegegnete. Unvergessen bleibt mir das Schlussbild, als die Bühne im gleißenden Licht erglühte und der Vorhang ganz langsam die Illusion verdeckte.

„Hat es Dir nicht gefallen“, fragte sie mich angesichts der Verstörung meines bleichen Gesichtes. Sie konnte ja nicht wissen, dass ich mir soeben selber begegnet war.

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Trovatore in Bregenz


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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Spektakel,23. Dezember 2009
Von
Bernhard Wunsch (Berlin/Kiel) – Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Verdi, Giuseppe – Il Trovatore (Bregenzer Festspiele 2006) (DVD)

Die DVD ist empfehlenswert, insbesondere Klang- und Bildregie sind eine Wucht. Und erfreulicherweise gelingt es der Festspielleitung in Bregenz über die Jahre immer erfolgreicher, hervorragende Sänger zu verpflichten. Iano Tamar zählt als Leonore nach dem Eindruck dieser Aufführung zur Weltspitze. Carl Tanner kämpft sich mit Mühe zu den Spitzentönen, um sie dann aber sicher und kraftvoll zu halten. Die Regie konzentriert sich auf ein überwältigendes Bühnenbild mit spektakulären Effekten. Die Schornsteine einer gewaltigen Raffinerieanlage entflammen im Rhythmus der Musik. Zum Finale lodert die gesamte Bühne. Die Personenführung ist dagegen konventionell und in den Chorszenen zum Teil peinlich, was aber wohl dem genius loci geschuldet ist. Die Schlussszene wird leider verschenkt. Graf Luna hebt die Pistole und erschießt den angeketteten Manrico. Azucena scheint das Ganze nicht sonderlich wahrzunehmen. Und das Orchester versickert kläglich im mächtig illuminierten Bühnenbild.

Ein Tip noch für den Produzenten. Nach jeder Szene mit Knalleffekt wird geklatscht, bei diesem Stück an und für sich nicht ungewöhnlich. Der Beifall erfolgt indes in Bezug auf die sängerischen Leistungen völlig undifferenziert und zudem müde tröpfelnd. Vielleicht bei künftigen Aufnahmen einfach rausschneiden.

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Ach ja, der grosse Rene Kollo


0 Bernhard Wunsch (BMWUNSCH3) – 29.07.2008 20:54 Uhr

Darf man das? Rene Kollos Kritik am Bayreuther Parsifal

ich glaube, es gibt nichts vordergründigeres, als die Inszenierung eines Musikdramas auf dramaturgische Schlüssigkeit zu untersuchen. Konsequenterweise müßte man dann die Oper als Kunstform insgesamt in Frage stellen. Denn der Mensch drückt im Regelfall Gefühle wie Trauer, Haß oder Liebe nicht durch Gesang aus. Große Kunst entsteht immer dann, wenn der Schöpfer inneren Wahrheiten Ausdruck verleiht. Herheims Inszenierung erzeugt genau durch diese Wahrhaftigkeit beim teilnehmenden Zuschauer/Zuhörer Betroffenheit. Der Ablauf der Handlung, im Sinne logischer Konsequenz, ist in diesem Zusammenhang bedeutungslos. Was mich erschreckt ist, daß einer der bedeutendsten Wagner-Sänger der Nachkriegszeit allen Ernstes behauptet, Wagner habe christliches Gedankengut vermitteln wollen. Und ich stehe vor dem Rätsel, daß es Rene Kollo schaffte, trotz dieser kindlichen Naivität den Tristan so existenziell zu interpretieren. Mit besten Grüssen Bernhard Wunsch Kiel

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